Die Spritpreise und die FDP

In den letzten Tagen ist die FDP ja immer weiter in der wohlverdienten Versenkung verschwunden. Und plötzlich taucht der Vorsitzende Rösler wieder auf und will die Deutschen vor den fiesen Ölkonzernen retten. Da frage ich mich unwillkürlich: Ist das die gleiche FDP, die die Hotels von der Steuer befreit hat?

Aber eigentlich ist so ein Schritt in der jetzigen Populärpolitik leicht
vorauszusehen. Die eigene Partei steht vor dem Exodus und die Leute haben
begriffen, dass das eigenen Kreuzchen auf dem Wahlzettel statt bei der FDP
genau so gut auf der leeren Rückseite gemacht werden kann – der Effekt
auf die Politik dürfte der gleiche sein.

Mich wundert es jedenfalls kein Stück, dass gerade jetzt über eine
Spritpreiskontrollstelle gesprochen wird. Sind ja schliesslich bald
Wahlen und ein paar billige Stimmen wird man damit bestimmt bekommen…

Kompliment an die deutsche Bahn

Am Wochenende bin ich mal wieder Zug gefahren, hatte aber ganz
vergessen, meine neue Bahncard einzustecken. Ich bin also einfach mit
der alten Karte in den Zug gestiegen und hab mich schon auf die
Nachzahlung und den Kampf um die Rückerstattung am Schalter
eingestellt.

Aber es kam anders: Im wirklich, wirklich vollen Zug war eine junge
Zugbegleiterin (nennt man die überhaupt noch so?) und hat nach einem
kurzen “Ich hab die neue Bahncard nicht dabei” einfach nach meinem
Ausweis gefragt. Anscheinend kann man mittlerweile anhand des Ausweises
überprüfen, ob eine Bahncard angemeldet ist oder nicht.

Kompliment an die Zugbegleiterin! 🙂 Bei manch anderem Mitarbeiter
hätte ich wohl erstmal aus den AGBs zitieren müssen…

In Software Entwickler investieren

Ich lese gerade einen interessanten Artikel über das Ende der
Welt
Investitionen in Software Entwickler. Der Autor Venkatesh Rao
beschreibt darin seine Strategie, um das heraufziehende Ende der
Zivilisation als Gewinner zu überstehen. Obwohl ich das Szenario
grundsätzlich für richtig halte, stimme ich dem unterschwelligen Ton nicht zu,
wenn der Autor schreibt:

In capitalism, every human is either a capitalist, somebody else’s
capital, or economically worthless. Today, this abstract point
specifically translates to: people who can invest in developers,
developers, and everybody else. This means that if you are in apparently
more fundamental professions – perhaps you are a baker with a small
business – you are effectively useless, not because bread isn’t
important, but because surviving in the bread business is now a matter
of having developers on your side who can help you win in a game that
Yelp, Groupon and other software companies are running to their
advantage. If your bakery doesn’t have an iPhone app, it will soon be
at the mercy of outfits like Yelp.

(Weiterlesen)

Damit sagt der Autor, dass der Kapitalismus das Ende der Zivilisation
überleben wird. Stellt sich die Frage: Wieso sollte er?

Der Kapitalismus ist eher der Grund für die gegenwärtige wirtschaftliche
und weltpolitische Situation. Im Grunde läuft alles auf die Frage
hinaus, wie man mehr Geld verdient als die anderen. Ob das dann die
Ausnutzung von fossilen Brennstoffen zur überproportionalen
Energiegewinnung und des Energietransports oder die Überfischung der
Meere zur Steigerung der Fischproduktion ist, kommt doch eigentlich
auf das selbe raus… im Moment sind es eher die Rohstoffe, die zur
Herstellung von Hochtechnologie benutzt werden, die rasant abgebaut
werden.

Wenn jetzt also Software Entwickler die neuen Rohstoffe sind, dann
werden auch sie ausgebeutet und umkämpft. Eine Andeutung davon findet
man auch im Artikel, allerdings abgeschwächt durch Sätze wie die
folgenden:

Gilded-cage workplaces full of gourmet buffets, high-tech nap pods, and
daycare facilities are just the tip of the iceberg.

They are primarily mechanisms available to sufficiently large, Too Big
to Fail software companies like Google, Facebook and Microsoft. In a
game where these majors set the bar in terms of cash and quality-of-life
compensation, and very young startups set the bar in terms of providing
realistic shots at big windfalls, no other type of business has any
chance of really competing for top talent, with any mix of cash and
stock it can conjure up.

Diese Aussage kam etwas überraschen, hat der Autor ein paar Zeilen
vorher noch von Trust, also Vertrauen gesprochen:

If you gain the trust of a talented developer to the point that they
are likely to drop any active gig in the future in favor of joining
one of your projects, the value is through the roof.

Auch in der Betrachtung von cash and quality-of-life compensation
schwingt der Kapitalismus mit. Nur wer wohlhabend ist und Geld hat, der
fühlt sich gut und ist zufrieden. Woher nimmt der Autor nur diese
Gewissheit? Vielleicht aus den Erfahrungen der Lehmann-Krise, oder noch
aus der dotcom-Blase? Ich bin jedenfalls schon länger der Meinung, dass
genau diese Einstellung nicht mehr lange durchkommen wird.

Wenn die Zivilisation wirklich umwälzende Zeiten hinter sich gebracht
hat, wird auch der Kapitalismus verändert sein. Vielleicht wird er
verschwunden sein, vielleicht wird er mehr nach Sozialismus aussehen und
kleine Gemeinschaften nach Verbesserung ihrer Position streben lassen.
Vielleicht wird es aber auch in einer Gesellschaft münden, die eher nach
Shadowrun als nach Utopia aussieht.

Wenn man jetzt aber anfängt, Software Entwickler als stocks zu
bezeichnen, hat man gar nichts gewonnen. In Zukunft wird es darauf
ankommen, seine Zeit mit sinnvollen Tätigkeiten zu verbringen, sich
dabei wohl zu fühlen und seine sozialen Kreise zu unterstützen. Es wird
nicht darauf ankommen, wo man den größten Dienstwagen oder den höchsten
Bonus bekommt. Und es wird erst recht nicht darauf ankommen, wer einem
das tollste Büffet oder den coolsten Platz für den Mittagsschlaf
bietet.