FAZ verkennt mal wieder die Situation der Piratenpartei

Gestern hab ich den Artikel “Die Piraten – Eine Partei wie die anderen
auch” bei der FAZ
gelesen, der mal wieder zeigt, dass die meisten
Leute die aktuelle Situation rund um die Piratenpartei (oder besser: die
aktuelle Situation, die sich gerade durch die Piratenpartei zeigt)
völlig verkennt. Aber erstmal zu den guten Teilen des Artikels.

Der Autor Georg Paul Hefty schreibt:

Die Parteiengeschichte hat eine Grundregel: Nicht Parteigründer
schaffen sich die Umstände, sondern die Umstände schaffen
sich aussichtsreiche Parteien.

Damit ist die Kernaussage zusammengefasst: Die Situation schafft die
Partei.
Nicht ein Sonderling, der gern mal Politik machen möchte,
schaffte die Piratenpartei. Nicht ein Anhänger der Netzgemeinde rief
die Partei ins Leben. Das ist alles Unsinn oder seichtes Aufbereiten für
die Konsumenten von Spiegel Online oder eben FAZ. Die
Piratenpartei entstand, weil einige Leute mit der Situation rund um The
Pirate Bay
, der Verbreitung von Inhalten im Internet, der immer
stärker werdenden Kontrolle und Überwachung im Netz und auch der
Einschränkung der Meinungsfreiheit allgemein unzufrieden waren.

Danach kommt noch ein weiterer treffender Punkt:

Das Ausgreifen des Computers und des Internets in alle Arbeits- und
Lebensbereiche und die Prägung des menschlichen wie
zwischenmenschlichen Alltags durch die Informationstechnologie haben
einen gesellschaftspolitischen Leerraum eröffnet, den die bisherigen
Parteien allenfalls partiell erkannt, jedenfalls programmatisch nicht
verarbeitet haben.

Jetzt schreibt der Autor also in seinem ersten Satz bereits die
Kernaussage auf und lässt auch in den folgenden Absätzen eine gewisse
Einsicht erkennen. Und trotzdem hinterlässt das Fazit bei mir wieder
einen faden Geschmack auf den Augen:

Computer sowie Daten- und Freundschaftsnetze werden – in welcher Form
und auf welcher Entwicklungsstufe auch immer – die nächsten Jahre
alltäglich bestimmen. Damit wird auch die Mentalität erhalten bleiben,
im Netz habe alles frei zu sein und sei umsonst zu haben, von Lexikon-
und Wirtschaftsinformationen bis zu Liebesverbindungen. Insoweit sind
die Piraten eine Partei der Umverteilung von den Habenden zu den
Habenwollenden, von den Bindungen zu den Freiheiten – so wie es alle
anderen Parteien auch immer sind.

Sieht der Autor die Piraten als Meute von Internetnutzern, denen es
eigentlich nur um die kostenlosen Downloads von neuen Musikalben und
Kinofilmen geht? Ich frage mich, wie man auf so ein Fazit kommt, wenn
man doch vorher im Text klar gemacht hat, dass die Piratenpartei aus der
Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation entstanden ist. Ist dann die
Beseitigung des Status Quo (“im Netz habe alles frei zu sein und sei
umsonst zu haben”
) nicht gerade das erklärte Ziel der Piratenpartei?

Ich bin verwirrt. Nicht von dem Text, sondern von Leuten, die die
Piratenpartei immer noch als Protestbewegung verstehen und nicht als
Indikator für eine kulturelle Äderung, die in der gesamten Bevölkerung
passiert und nicht nur bei einigen Jugendlichen, die einfach alles
runterladen, was sie irgendwo als Torrent finden…

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